Kloster Reinborn

Fern rauscht der Wald, beraubt noch von den Blättern,
im Sonntagsfrieden, Feld und Fluren leer,
der Sonne Gold strahlt noch des Winters Wettern,
da hält es mich im engen Raum nicht mehr.

Zum reinen Born geht heut mein Frühlingsfahren,
da, wo einmal ein stilles Kloster stand,
wo fromme Mönche schon vor vielen Jahren
sein Wasser tranken aus der hohlen Hand.

Ein Waldtal schmal und eine grüne Wiese
durchschreite ich: das Tal der Tiefenbach.
Es mutet heimisch wie im Paradiese,
und ich vergaß des Alltags Ungemach.

Die Drossel singt hinaus vom hohen Baume,
dem holden Frühling ihren ersten Gruß,
Schneeglöckchen ist erwacht aus seinem Traume,
in Blüten prangen Weid und Haselnuss.

Das Bächlein rinnt und raucht und eilt zum Meere,
leicht über Schieferstein das Tal hinab,
es dreht das Mühlrad sich von seiner Schwere,
bis es versinkt in fernen Flutengrab.

So komm ich denn allmählich bis zur Höhe,
in dieser stillen Waldeseinsamkeit.
Nur scheu und schüchtern flüchten einge Rehe,
hab keine Angst, ich tu Euch nichts zur Leid.

Am Hünengrab Goldkessel bleib ich stehen,
durch Jahrtausende schweift hin mein Blick...
So ist das Leben, Werden und Vergehen...
Und nur ein kühler Hügel bleibt zurück.

Das Kloster ist verbrannt in Kriegesnöten,
es steht nur noch sein stilles Gotteshaus.
Wallfahrer, Pilger pflegten da zu beten,
in seinem Alter strahlt es Erfurcht aus.

Am reinen Born und tausendjähriger Linde,
da liebe ich die stille Einsamkeit.
Und wenn das Kloster heute noch da stünde,
so tauschte ich die Kutte mit dem Kleid.

Text: Ludwig Bund, Palmsonntag 1938

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