{"id":1905,"date":"2017-05-09T20:42:02","date_gmt":"2017-05-09T19:42:02","guid":{"rendered":"https:\/\/esch-taunus.de\/?p=1905"},"modified":"2017-05-10T07:53:41","modified_gmt":"2017-05-10T06:53:41","slug":"aus-erwin-gros-winkelhude-und-anderes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esch-taunus.de\/?p=1905","title":{"rendered":"Aus Erwin Gros&#8216; &#8222;Winkelhude und anderes&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\">Veteran Schl\u00f6ssermann<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im blauen L\u00e4ndchen lebte noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Veteran Schl\u00f6ssermann. Er war, soviel ich wei\u00df, Schweinehirt in Nordenstadt. Er hatte die Feldz\u00fcge der nassauischen Regimenter in Spanien und Flandern mitgemacht. Lebhaft und anschaulich wu\u00dfte er von seinen Abenteuern zu erz\u00e4hlen, und weil er eine rege Einbildungskraft besa\u00df, darum kam mit der Zeit manches hinzu, und je \u00f6fter er es wiedergab, desto mehr wurde es f\u00fcr ihn selbst Tatsache und Wahrheit. Und zuletzt war der Veteran Schl\u00f6ssermann so gewachsen, da\u00df er neben Napoleon als gleichwertige, historische Pers\u00f6nlichkeit stand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch lassen wir ihn selbst erz\u00e4hlen. Er sitzt im Wirtshaus bei einem Glas Hohenastheimer, eine Weile l\u00e4sst er sich n\u00f6tigen, dann hebt er also an:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Also, ihr Leute, das war in dem Jahr, wo der <a href=\"https:\/\/esch-taunus.de\/?p=111\">Bonaparte wieder Krawall mit \u00d6sterreich<\/a> anfing, da mu\u00dfte unser Herzog auch ein Regiment stellen. &#8222;Schl\u00f6ssermann&#8220;, sagte unser Schulthei\u00df, &#8222;Schl\u00f6ssermann, du bist ein ganzer Kerl, da mu\u00dft du mit, da hilft nix, wenn&#8217;s die Ehre vom blauen L\u00e4ndchen gilt.&#8220; Na, was wollt ich da machen, ich hatte mich zwar freigelost, da aber hie\u00df es, nix wie mit! Also, wir werden einexerziert, stramm, sage ich euch, dann kamen wir an die Donau, und der kleine Korporal hielt selbst die Revue \u00fcber uns ab. Und wie er so die Front hinunter geht, da bleibt er auf einmal bei mir stehen und guckt mich an, ich sage euch, er guckt mich an, das ist gar nicht zu beschreiben. Dann fragt er mich: &#8222;Wie hei\u00dft du, mein Sohn?&#8220; &#8222;Schl\u00f6ssermann, Majest\u00e4t&#8220;, antwortete ich. &#8222;So&#8220;, sagte Napoleon, &#8222;das ist der Schl\u00f6ssermann, ja, ich habe mir das doch gleich gedacht, das ist ein Mann von dem Holz, aus dem man Helden schnitzt&#8220;; &#8211; aus dem man Helden schnitzt, hat er gesagt, Leute! Dann ging er weiter; nachher kam er noch einmal zur\u00fcck und sagte: &#8222;Schl\u00f6ssermann, ich werd dich nicht vergessen!&#8220; &#8222;No&#8220;, sagte ich, &#8222;Majest\u00e4t, wir bleiben ja noch eine Zeitlang beeinander!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so war&#8217;s auch; wir marschierten nach Spanien, &#8211; eine sch\u00f6ne Gegend, aber ungem\u00fctliche Leute; aus allen Ecken kamen die blauen Bohnen geflogen, sogar die Weibsleute waren wie der leibhaftige Satan darauf versessen, unsereinem das bi\u00dfchen Lebenslicht auszublasen. Erst wie wir nach Madrid kamen, da wurde es ein klein wenig gem\u00fctlicher, da lag doch zuviel Milit\u00e4r, da haben sie sich nicht an uns so herangetraut wie drau\u00dfen in den Bergen, wo die vielen Schlupfwinkel waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da stehe ich eines Tages im Escorial, das ist ein gro\u00dfes Schlo\u00df, noch sch\u00f6ner als unserem Herzog seins zu Biebrich, also da stehe ich Posten auf einem ganz langen Hausgang, rechts und links eine T\u00fcre an der anderen. Auf einmal, wie ich an der Treppe bin, &#8211; grad hat ich gedacht, was werden sie denn jetzt daheim machen, &#8211; da klopft mir jemand auf die Schulter, ich dreh mich um, richtig, es war der Bonaparte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Na, Schl\u00f6ssermann, wie geht&#8217;s?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Danke der Nachfrage, Majest\u00e4t, gut.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wie ist die Verpflegung, Schl\u00f6ssermann?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Na, Majest\u00e4t, man hat sich so langsam an die spanische K\u00fcche gew\u00f6hnt!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wei\u00dft du auch schon, Schl\u00f6ssermann, da\u00df ich nach Ru\u00dfland ziehe?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Jawohl, Majest\u00e4t, &#8211; aber das t\u00e4t ich nit, da w\u00e4r mir&#8217;s zu kalt, da verfriert man sich alle edleren Teile!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das verstehst Du nit, Schl\u00f6ssermann.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Nix f\u00fcr ungut, Majest\u00e4t, aber wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, dann bleiben Sie von dem Kosakenland weg, die Sache ger\u00e4t nit!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Weile stand der Napoleon ganz in tiefen Gedanken versunken, genau so habe ich ihn auf dem Bild daheim, dann sagte er: &#8222;Schl\u00f6ssermann, du kannst recht haben, h\u00e4tte ich dich nur eher gefragt, aber die Sache ist schon zu weit, der Handel kann nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Ja, aber wir bleiben gute Freunde!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir wollen&#8217;s hoffen, Majest\u00e4t!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber seht, ihr Leute, das ist nit so geblieben, ich hatte recht gehabt mit Ru\u00dfland, h\u00e4tte er mit gefolgt, er w\u00e4re heute noch Kaiser von Frankreich und ich w\u00e4re was anderes als Euer Schweinehirte, das k\u00f6nnt ihr glauben. So aber konnten wir zwei nit mehr Freunde bleiben, er kam auf die eine Seite und ich auf die andere. Jetzt sagten wir zum Engl\u00e4nder gut Freund und fuhren mit seinen Schiffen nach Flandern. Und da war der letzte Tanz. Der Napoleon war von Elba her\u00fcbergekommen und hatte im Handumdrehen wieder eine gro\u00dfe Armee auf die Beine gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich sehe es heute noch, wie wir auf einer kleinen Anh\u00f6he standen bei einem Bauernhof, noch gr\u00f6\u00dfer wie dem dicken Bauern in Nordenstadt seiner, auf einmal kam der Herzog Wellington auf seinem Schimmel angesprengt, hinter ihm ein lander Schwanz von Adjutanten und Gener\u00e4len.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Seid ihr Nassauer bereit?&#8220; rief er mit lauter Stimme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Jawohl&#8220;, schrien wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ist auch der Korporal Schl\u00f6ssermann von Nordenstadt da?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Jawohl&#8220;, sagte ich, trat aus dem Glied und schulterte mein Gewehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das ist gut, dann kann die Schlacht bei Bellalliance oder Waterloo losgehen!&#8220; sagte der Wellington und winkte mit der Hand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da gings los, ich sage euch da\u00df einem schier H\u00f6ren und Sehen verging. Aber wir standen wie die Mauern. Am Nachmittag, wie der Wind einmal den Pulverdampf weggeblasen hatte, da sah ich pl\u00f6tzlich, wie der Marschall Ney auf den Bonaparte zureitet, und was da zugegangen ist, hat mir ein guter Freund aus dem Elsa\u00df, den ich nachher im Lazarett getroffen habe, erz\u00e4hlt. Also der Marschall Ney sagte zum Napoleon, &#8222;Majest\u00e4t, die Garden m\u00fcssen daoben hinauf und den H\u00fcgel und den Bauernhof erst\u00fcrmen, dann ist die Schlacht gewonnen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wer steht da oben, Herr Marschall?&#8220;, fragte der Kaiser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Das wei\u00df ich nit&#8220;, antwortete der Marschall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Dann soll ein Adjutant mal heranreiten und zusehen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was glaubt ihr, kommt da ein Adjutant bis an die Mauer heran und ruft: &#8222;Was seid ihr f\u00fcr Leute?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir sind Nassauer&#8220;, schreien wir.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er seinen Gaul herumgedreht, fort war er und wieder beim Napoleon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Na!&#8220;, sagte er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Majest\u00e4t, da stehen die Nassauer.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Nassauer&#8220;, sagte Napoleon und sch\u00fcttelte ganz verzweifelt den Kopf, &#8222;da ist mein Freund Schl\u00f6ssermann dabei, da hilft&#8217;s nix, da kommen wir nit durch.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ihr Leute, so ging die Schlacht bei Bellealliance oder Waterloo verloren, und der Napoleon mu\u00dfte nach St. Helena, wo er elendig gestorben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Schad&#8216; um den Mann, er konnt&#8216; auch mehr wie Brot essen!&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Quellen:<\/p>\n<div id=\"zotpress-67f7749aee7af5a3ea1280b8b592c413\" class=\"zp-Zotpress zp-Zotpress-Bib wp-block-group\">\n\n\t\t<span class=\"ZP_API_USER_ID ZP_ATTR\">3307718<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_ITEM_KEY ZP_ATTR\">{:4AUB8XJV}<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_COLLECTION_ID ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_TAG_ID ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_AUTHOR ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_YEAR ZP_ATTR\"><\/span>\n        <span class=\"ZP_ITEMTYPE ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_INCLUSIVE ZP_ATTR\">1<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_STYLE ZP_ATTR\">harvard1<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_LIMIT ZP_ATTR\">50<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_SORTBY ZP_ATTR\">default<\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_ORDER ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_TITLE ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWIMAGE ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_SHOWTAGS ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_DOWNLOADABLE ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_NOTES ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_ABSTRACT ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_CITEABLE ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_TARGET ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_URLWRAP ZP_ATTR\"><\/span>\n\t\t<span class=\"ZP_FORCENUM ZP_ATTR\"><\/span>\n        <span class=\"ZP_HIGHLIGHT ZP_ATTR\"><\/span>\n        <span class=\"ZP_POSTID ZP_ATTR\">1905<\/span>\n\t\t<span class=\"ZOTPRESS_PLUGIN_URL ZP_ATTR\">https:\/\/esch-taunus.de\/wp-content\/plugins\/zotpress\/<\/span>\n\n\t\t<div class=\"zp-List loading\">\n\t\t\t<div class=\"zp-SEO-Content\">\n\n\t\t\t<\/div><!-- .zp-zp-SEO-Content -->\n\t\t<\/div><!-- .zp-List -->\n\t<\/div><!--.zp-Zotpress-->\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veteran Schl\u00f6ssermann Im blauen L\u00e4ndchen lebte noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Veteran Schl\u00f6ssermann. 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